Bild der Woche 2012

31. Dezember 2012

Wirbelnde südliche Strichspuren über ALMA

Babak Tafreshi, einer der ESO-Fotobotschafter, hat die Antennenschüsseln des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) unter dem südlichen Sternhimmel in einer weiteren atemberaubenden Aufnahme eingefangen.

Der auffällige Sternenwirbel am Himmel erinnert an van Goghs Sternennacht oder – für Science Fiction Fans vielleicht – an den Blick aus einem Raumschiff, das in den Hyperraum springt. In Wahrheit jedoch machen sie durch die lange Belichtungszeit der Fotografie die Rotation der Erde sichtbar. Auf der Südhalbkugel der Erde bewegen sich die Sterne scheinbar in Kreisen um den südlichen Himmelspol, der im Sternbild Octans (der Oktant) zwischen dem bekannten Kreuz des Südens und den Magellanschen Wolken liegt. Bei einer genügend langen Belichtungszeit erzeugen die Sterne bei ihrer Bewegung kreisrunde Spuren.

Das Foto wurde auf dem Chajnantorplateau aufgenommen, auf einer Höhe von 5000 Metern in den chilenischen Anden. Hier steht das ALMA-Observatorium, dessen Antennenschüsseln im Vordergrund sichtbar sind. ALMA ist das leistungsstärkste Teleskop für die Beobachtung des kühlen Universums – molekularen Gases und Staub, wie auch der Reststrahlung des Urknalls. Wenn ALMA im Jahr 2013 fertiggestellt sein wird, wird es aus 54 Antennen mit 12 Metern Durchmesser und zwölf 7-Meter-Antennen bestehen. Erste wissenschaftliche Beobachtungen mit einem Teil des Antennenfelds finden bereits seit 2011 statt. Obwohl es noch nicht fertiggestellt ist, produziert die Anlage bereits herausragende Resultate und übertrifft alle anderen Teleskope dieser Art. Einige Antennen auf der Aufnahme sind verwaschen, da die Teleskope während der Aufnahme in Betrieb waren und sich während der Aufnahme bewegt haben.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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24. Dezember 2012

ALMAs Abgeschiedenheit

Diese Panoramaansicht des Chajnantorplateaus zeigt den Standort des Atacama Large Millimeter/submillimeter Arrays (ALMA), aufgenommen nahe dem Gipfel des Cerro Chico. Babak Tafreshi, einer der ESO-Fotobotschafter, hat das Gefühl des Alleinseins an der ALMA-Anlage auf 5000 Metern über dem Meeresspiegel in den chilenischen Anden erfolgreich einfangen können. Licht und Schatten bestimmen die Landschaft und verstärken die überirdische Ansicht des Geländes. Im Vordergrund des Bildes sieht man die wie eine Ansammlung eigenartiger robotischer Besucher wirkenden Gruppe von ALMA-Antennenschüsseln auf dem Plateau. Wenn die Anlage im Jahr 2013 fertiggestellt ist, werden insgesamt 66 solcher Antennen zusammenarbeiten.

ALMA wird das Studium des Universums bei Millimeter- und Submillimeterwellenlängen revolutionieren: Schon mit einem Teil des Antennenfeldes ist ALMA bei diesen Wellenlängen leistungsstärker als jedes vorherige derartige Teleskop und bietet Astronomen beispiellose Möglichkeiten um das kühle Universum zu studieren – molekulares Gas und Staub wie auch die Reststrahlung des Urknalls. ALMA untersucht die Bausteine von Sternen, Planetensystemen, Galaxien und des Lebens selbst. ALMA stellt den Astronomen detaillierte Aufnahmen von Sternen und Planeten in sonnennahen Gaswolken zur Verfügung und wird ferne Galaxien am Rand des beobachtbaren Universums erfassen, die wir so sehen, wie sie vor etwa 10 Milliarden Jahren waren. Dadurch werden Astronomen einige der fundamentalsten Fragen nach unseren kosmischen Ursprüngen ergründen können.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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17. Dezember 2012

Der Paranal und der Schatten der Erde

ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi hat ein weiteres herausragendes Panoramafoto vom Paranal-Observatorium der ESO aufgenommen.

Im Vordergrund des Bildes liegt die eindrucksvolle, bergreiche Landschaft der Atacamawüste. Auf der linken Seite sieht man das Very Large Telescope (VLT) auf dem höchsten Gipfel und weiter vorne auf einem etwas niedrigeren Gipfel das VISTA-Teleskop (VISTA steht für Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy).

Im Hintergrund färbt der Sonnenaufgang den Himmel über dem Paranal in wunderschöne Pastelltöne. Bis an den Horizont ragt das Wolkenmeer über dem Pazifik, der nur 12 Kilometer vom Paranal entfernt beginnt.

Dort wo sich die Wolken und der Himmel berühren, liegt ein dunkles Band. Es handelt sich dabei um den sogenannten Erdschatten, den Schatten also, den unser Heimatplanet auf seine eigene Atmosphäre wirft. Dieses Phänomen kann manchmal zu Sonnenauf- oder Sonnenuntergang beobachtet werden, wenn der Himmel klar und der wahre Horizont frei sichtbar sind – Bedingungen, die zweifellos auf das Paranal-Observatorium zutreffen. Über dem Erdschatten liegt ein rötliches Glimmen, das man auch als den Gürtel der Venus bezeichnet und das durch das in der Erdatmosphäre gestreute Licht der untergehenden oder wie in diesem Fall aufgehenden untergehenden Sonne verursacht wird.

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10. Dezember 2012

Sternspuren am Himmel

Obwohl dieses Bild auf den ersten Blick wie moderne Kunst aussieht, ist es tatsächlich das Ergebnis einer Langzeitbelichtung des Nachthimmels über dem Chajnantor-Plateau in den chilenischen Anden. Da die Erde sich einmal pro Tag um sich selber dreht, werden die Sterne der Milchstraße zu farbenfrohen Strichen verzogen. Das hochmoderne Teleskop im Vordergrund des Bildes wirkt dagegen wie aus einem Traum kommend.

Dieses hypnotisierende Foto wurde in 5000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel auf dem Chajnantor-Plateau aufgenommen, der Heimat des Atacama Pathfinder Experiments (APEX), das hier zu sehen ist. APEX ist ein Teleskop mit 12 Metern Durchmesser, das Strahlung mit Wellenlängen im Millimeter- und Submillimeterbereich sammelt. Astronomen nutzen APEX, um Himmelsobjekte wie kühle Wolken aus Gas und kosmischem Staub, in denen neue Sterne geboren werden, bis hin zu den frühesten und entferntesten Galaxien im Universum zu beobachten.

APEX ist technologischer Wegbereiter für ALMA, das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array. ALMA ist ein neuartiger Teleskopverbund, den die ESO gemeinsam mit internationalen Partnern ebenfalls auf dem Chajnantor-Plateau errichtet und betreibt. Wenn ALMA 2013 fertiggestellt ist, wird es aus 54 solcher Antennen mit 12 Metern Durchmesser und zusätzlichen 12 Antennen mit 7 Metern Durchmesser bestehen. ALMA wird ein ungleich höheres Auflösungsvermögen als APEX haben, allerdings wird dafür das Gesichtsfeld wesentlich kleiner sein. Die beiden Teleskope ergänzen einander daher perfekt: APEX wird viele interessante Beobachtungsziele entdecken, die ALMA dann detailliert untersuchen kann. APEX und ALMA sind für die Astronomen zwei wichtige Hilfsmittel um mehr über die Abläufe des Kosmos herauszufinden, wie zum Beispiel die Entstehung der Sterne, die man in dem Bild ihre Kreise ziehen sieht.

Dieses Foto stammt von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi. Tafreshi ist der Gründer von The World at Night (TWAN), einem Programm, das sich der Aufnahme und Ausstellung überwältigender Fotografien und Zeitrafferaufnahmen der schönsten oder historischen Stätten weltweit als Kulisse für Sterne, Planeten und astronomische Ereignisse widmet.

APEX ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, die das Teleskop betreibt. ALMA ist eine internationale astronomische Anlage, die von Europa, Nordamerika und Ostasien in Kooperation mit der chilenischen Republik betrieben wird. Die ESO ist der europäische Partner bei ALMA.

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3. Dezember 2012

Von Antu zu Yepun – Der Bau des VLT

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, zeigen wir Momente aus unserer Geschichte. Einmal im Monat während des Jahres 2012 zeigt ein besonderes Damals und Heute Vergleichsbild, wie sich die Dinge im Laufe der Jahrzehnte auf dem La Silla und Paranal Observatorium, den ESO Anlagen in Santiage de Chile und im Hauptquartier in Garching bei München verändert haben.

Das Very Large Telescope (VLT), das Flaggschiff der ESO auf dem Cerro Paranal in Chile, besteht aus vier riesigen Hauptteleskopen (englisch Unit Telescopes oder kurz UTs), jedes enthält einen Spiegel mit 8,2 Metern Durchmesser. Dazu kommen vier bewegliche Hilfsteleskope mit 1,8 Metern Durchmesser. Unser Vergleichsbild zeigt diesen Monat ein Hauptteleskop im Bau und in der heutigen Zeit.

Die historische Aufnahme von Ende Oktober 1995 zeigt frühe Arbeiten am Schutzbau des ersten Hauptteleskops (UT1). Das Fundament und die untere darauf montierte stationäre Stahlstruktur des Schutzbaus sind fertig. Die ersten Abschnitte des rotierenden Teils des Schutzbaus sind schon platziert – die Anfänge des breiten Spalts, durch den das Teleskop beobachten wird und die schwere horizontale Struktur, die die Schlittentore tragen wird, sind in Richtung der Kamera sichtbar. Dieses Hauptteleskop sah sein erstes Licht am 25. Mai 1998 (siehe eso9820).

Bei der Einweihung des Paranal-Observatoriums im Jahr 1999 (siehe eso9921) wurde jedem der Hauptteleskope ein Name aus der Sprache des einheimischen Mapuchevolks gegeben. Die Namen – in der richtigen Reihenfolge für die Teleskope 1-4 Antu, Kueyen, Melipal und Yepun – repräsentieren vier markante und wunderschöne Merkmale des Himmels: Die Sonne, den Mond, das Kreuz des Südens und die Venus [1].

Auf dem aktuellen Foto ist UT4 abgebildet, Yepun, das sein erstes Licht im September 2000 sah (siehe eso0028). Um den fertiggestellten Bau des VLTs zu zeigen, eignet es sich genauso gut wie sein Schwesterteleskop UT1, da alle vier UTs identisch sind. Sie unterscheiden sich nur durch die unterschiedlichen Instrumente an jedem Gerät, die den Astronomen ein breites Spektrum von Möglichkeiten zum Studium des Universums bietet. Die gelbe Struktur vor Yepun ist die M1-Aufzugplattform, die zwischen den UTs bewegt werden kann und verwendet wird, um die riesigen 8,2 Meter-Primärspiegel periodisch auszubauen und neu zu beschichten.

In den Jahren nachdem das historische Foto aufgenommen wurde, hat das erste UT nicht nur seinen Namen Antu erhalten, sondern ist mit den anderen Teleskopen auf dem Berggipfel zu einer Familie geworden. Heute ist das VLT das weltweit fortschrittlichste astronomische Observatorium für sichtbares Licht, und Antu, Yepun und die übrigen Teleskope auf dem Paranal haben eine Hauptrolle dabei gespielt, die ESO mit Abstand zum weltweit produktivsten bodengebundenen Observatorium zu machen!

Endnote

[1] Yepun wurde zum Zeitpunkt der Einweihung mit „Sirius” übersetzt (siehe eso9921), aber weitere Nachforschungen ergaben, dass die korrekte Übersetzung „Venus” ist.

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26. November 2012

Zwei Planetenjäger auf La Silla eingefangen

Über Jahrhunderte haben Philosophen und Wissenschaftler über die Möglichkeit von bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems nachgedacht. Heute ist diese Idee mehr als Spekulation. Astronomen haben in den letzten fünfzehn Jahren auf der ganzen Welt mehrere hundert Exoplaneten entdeckt. Unterschiedliche Techniken wurden zur Suche nach diesen neuen Welten eingesetzt. In dieser ungewöhnlichen Aufnahme wurden zwei Teleskope, die zwei dieser Techniken einsetzen, auf der gleichen Aufnahme eingefangen. Das 3,6-Meter-Teleskop der ESO mit dem HARPS-Spektrographen und das Weltraumteleskop CoRoT. Das Foto wurde von Alexandre Santerne aufgenommen, einem Astronomen, der selbst Exoplaneten untersucht.

Der High Accuracy Radial velocity Planetary Searcher-Spektrograf HARPS, der weltweit erfolgreichste Exoplanetenjäger, ist ein Instrument am 3,6-Meter-Teleskop der ESO. Der geöffnete Schutzbau des Teleskopes ist auf der linken Bildseite zu sehen, hinter dem kantigen Schutzbau des New Technology Telescopes. HARPS findet Exoplaneten mithilfe der kleinen Geschwindigkeitsänderungen von Sternen aufgrund des winzigen Schwerkrafteinflusses von umlaufenden Planeten. Diese Technik zur Suche nach Exoplaneten nennt man die Radialgeschwindigkeitsmethode.

Die schwache Lichtspur am Himmel auf dieser 20-sekündigen Aufnahme ist kein Meteor sondern CoRoT, das Convection Rotation and Transit space telescope. CoRoT sucht nach Planeten über die Abschwächung des Sternlichts, wenn ein Planet vor einem Stern vorbeizieht – das ist die sogenannte Transitmethode. Die Position des Satelliten hoch über der Erdatmosphäre erhöht die Empfindlichkeit der Beobachtungen dank des nicht vorhandenen Sternfunkelns. Potenzielle Planeten, die durch die Transitmethode entdeckt wurden, werden durch komplementäre Techniken wie die Radialgeschwindigkeitsmethode überprüft. Tatsächlich wurde HARPS gerade in der Nacht, in der dieses Foto aufgenommen wurde, zur Überprüfung von Exoplaneten-Kandidaten eingesetzt, die durch CoRoT detektiert wurden!

Seit November 2012 hat CoRoT unglücklicherweise mit Computerproblemen zu kämpfen, dass bedeutet, dass man keine weiteren Daten vom Teleskop empfangen kann obwohl es noch funktioniert (siehe die Nachrichten auf der CoRoT-Webseite, oder zum Beispiel diesen Nature News-Artikel). Das CoRoT-Team hat bisher nicht aufgegeben und versucht weiterhin, das Problem zu lösen. Unabhängig davon, ob CoRoT wiederbelebt werden kann oder nicht, besteht mit Sicherheit kein Zweifel daran, dass die Mission bis jetzt ein großer Erfolg ist! Das Raumfahrzeug hat seine ursprünglich geplante Missionszeit um das Doppelte übertroffen und war die erste Raumsonde, die einen Exoplaneten mit der Transitmethode entdeckt hat. CoRoT hat große Fortschritte sowohl bei der Suche nach Exoplaneten als auch beim Studium des Inneren von Sternen durch das Arbeitsgebiet der Astroseismologie gemacht.

Die Suche nach Exoplaneten hilft uns beim Verständnis unseres eigenen Planetensystems und könnte der erste Schritt zum Auffinden von Leben außerhalb der Erde sein. HARPS und CoRoT sind nur zwei der erstaunlichen Instrumente, um Astronomen bei dieser Suche zu unterstützen.

Santerne hat dieses Foto in der "Your ESO Pictures"-Flickrgruppe veröffentlicht. Die Flickr-Gruppe wird regelmäßig überprüft, um die schönsten Bilder als Bild der Woche oder in unseren Bildergalerien veröffentlichen zu können. Im Jahr 2012 sind als Teil des 50-jährigen Jubiläums der ESO auch historische Aufnahmen mit ESO-Bezug willkommen. Mit dem Einreichen dieses Bildes wurde Santerne zum ESO-Fotobotschafter ernannt.

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19. November 2012

Die eisigen Begleiter von APEX

Das Atacama Pathfinder Experiment (APEX) – in diesem ungewöhnlichen Bild von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi eingefangen – ist eines der ESO-Werkzeuge um außerhalb des sichtbaren Lichts zu forschen. Es steht auf dem Chajnantor-Plateau auf einer Höhe von 5000 Metern.

Ansammlungen von weißem Büßereis sind im Vordergrund des Fotos sichtbar. Die „penitentes“ (Spanisch für Büßer) sind eine eigenartige Naturerscheinung, die großer Höhe auftritt, typischerweise in mehr als 4000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Es handelt sich um dünne Nadeln aus verhärtetem Schnee oder Eis, die mit ihrer Schneide in Richtung der Sonne weisen. Sie erreichen Höhen von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern.

APEX ist ein Teleskop mit einer zwölf Meter durchmessenden Antennenschüssel, die Licht im Wellenlängenbereich von Millimeter- und Submillimeterstrahlung nachweist. Astronomen, die mit APEX beobachten, können Phänomene sehen, die bei kürzeren Wellenlängen nicht sichtbar sind. Das Teleskop ermöglicht ihnen das Studium von Molekülwolken – dichten Regionen aus Gas und kosmischem Staub, in denen neue Sterne geboren werden – die im sichtbaren und infraroten Licht dunkel und von Staub verdeckt sind, aber bei diesen relativ langen Wellenlängen hell leuchten. Astronomen nutzen dieses Licht, um die physikalischen und chemischen Bedingungen zu studieren. Dieser Wellenlängenbereich ist auch ideal für das Studium der frühesten und am weitesten entfernten Galaxien im Universum geeignet.

Gerade noch am Nachthimmel über und etwas linkerhand von APEX als schwache Flecken sichtbar stehen die Kleine und die Große Magellansche Wolke, benachbarte Galaxien unserer eigenen Milchstraße. Die Ebene der Milchstraße zieht sich als schwaches Band über den Himmel und ist am deutlichsten über dem APEX-Kontrollgebäude auf der rechten Seite zu erkennen. Dunkle Flecken in diesem Band sind Regionen, in denen das Licht von interstellarem Staub blockiert wird. Hinter den dunklen Staubwolken liegt das Zentrum der Milchstraße in einer Entfernung von etwa 27.000 Lichtjahren. Teleskope wie APEX sind ein entscheidendes Werkzeug für Astronomen, um durch den Staub zu blicken und das Zentrum unserer Galaxis im Detail zu erforschen.

APEX ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, die auch für den Betrieb des Teleskopes verantwortlich zeichnet.

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12. November 2012

Ein Bild, viele Geschichten

ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi hat ein außergewöhnliches Bild des Himmels über dem Paranal-Observatorium der ESO mit einem ganzen Strauß von Deep-Sky Objekten aufgenommen.

Der auffälligste von ihnen ist der Carinanebel, intensiv rot leuchtend in der Mitte des Bildes. Der Carinanebel befindet sich in einer Entfernung von ungefähr 7500 Lichtjahren von der Erde im Sternbild Carina (der Schiffskiel). Diese Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist der hellste Nebel am Himmel und enthält einige der hellsten und massereichsten Sterne, die in der Milchstraße bekannt sind, so wie beispielsweise Eta Carinae. Der Carinanebel ist ein idealer Prüfstand für Astronomen, um die Rätsel von Geburt und Tod massereicher Sterne zu entschlüsseln. Für einige neuere Bildes des Carinanebels siehe eso1208, eso1145 und eso1031.

Unter dem Carinanebel ist der offene Sternhaufen NGC 3531 sichtbar. Dieser Haufen junger Sterne sieht durch das Okular eines Teleskops wie eine Handvoll Silbermünzen aus, die am Grund eines Wunschbrunnens glitzern, und wird deshalb im englischen Sparachraum auch „Wishing well cluster“ genannt. Weiter rechts finden wir den Lambda Centauri-Nebel (IC 2944), eine Wolke aus leuchtendem Wasserstoff und neugeborenen Sternen, die manchmal auch als „Nebel des laufenden Huhns“ bezeichnet wird, abgeleitet von dem vogelartigen Aussehen in seiner hellsten Region (siehe eso1135). Über diesem Nebel etwas linkerhand finden wir die südlichen Plejaden (IC 2632), einen offenen Sternhaufen, der ähnlich wie sein nördlicher Namensvetter aussieht.

Im Vordergrund können wir drei der vier Hilfsteleskope (Auxiliarty Telescopes, kurz ATs) des Very Large Telescopes Interferometers (VLTI) erkennen. Über das VLTI können die Hilfsteleskope – oder die 8,2-Meter-Hauptteleskope – gemeinsam wie ein riesiges Teleskop benutzt werden und feinere Details sehen, als es nur mit individuellen Einzelteleskopen möglich wäre. Das VLTI wurde mittlerweile für eine breite Palette von Forschungsprojekten verwendet, wie das Studium von zirkumstellaren Scheiben um junge Sterne und Aktiver Galaktischer Kerne, eines der energiereichsten und rätselhaftesten Phänomene im Universum.

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5. November 2012

Der Bau der Paranal Residencia — von der Betriebsamkeit zur Beschaulichkeit

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Auf dem Bildpaar in diesem Monat, aufgenommen jeweils am Paranal-Observatorium der ESO in der chilenischen Atacamawüste, vergleichen wir eine betriebsame Baustelle, wie sie im November 1999 zu sehen war, mit dem fertigen Bauwerk in der heutigen Zeit: das Wohngebäude des Observatoriums, bekannt unter dem Namen Residencia. Stellen Sie sich den Unterschied von damals zu heute vor: Das damalige Dröhnen der Hämmer und Bohrmaschinen und der Lärm von Traktoren und Kränen hat den Weg zu dem friedvollen Ort in der Wüste geebnet, der das fertige Bauwerk heute ist, das genaue Gegenteil seinen Umgebung. Aus natürlichen Materialien und Farben eingepasst in den Boden errichtet, verschmilzt das Gebäude in der Landschaft.

Die Residencia wurde als Refugium für Astronomen und andere Beschäftigte in einer der rauesten Landschaften gebaut, die man sich vorstellen kann, wo die extreme Trockenheit, intensive Ultraviolettstrahlung von der Sonne, starke Winde und große Höhe Teil des täglichen Lebens sind. Die Baufirmen, die die Residencia gebaut haben und die in diesen extremen Bedingungen arbeiten mussten, haben eine sehr geschätzte Oase für die Observatoriumsbelegschaft in der Wüste geschaffen, die Schutz vor den trockenen Umgebungsbedingungen bietet. Das fertiggestellte Gebäude ist ein Zeugnis ihrer harten Arbeit. Die preisgekrönte Residencia hat über 100 Zimmer, inklusive einiger öffentlicher Räume wie Kantine, Lounge, Schwimmbecken, Fitnesscenter und Bibliothek. Sie bietet von der westlichen Fassade spektakuläre Aussichten über die Wüste in Richtung des Pazifischen Ozeans und zum Sonnenuntergang.

Eine weiteres Detail ist auf beiden Bildern sichtbar: Hinter der Residencia, auf 2600 Metern über dem Meeresspiegel, steht das Very Large Telescope (VLT) der ESO. Es ist das weltweit fortschrittlichste astronomische Observatorium für sichtbares Licht und der Grund dafür, warum die Residencia und alle diejenigen, die innerhalb seiner Mauern verweilen, dort überhaupt sind!

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29. Oktober 2012

Ein Ort um die Mysterien des kalten Universums zu enthüllen

Dieses wunderschöne Panorama von Babak Tafreshi, einem der ESO-Fotobotschafter, zeigt das Chajnantor-Plateau in der Atacama-Region Chiles, beim Bad in den letzten Sonnenstrahlendes Tages. Das Plateau beherbergt das Atacama Pathfinder Experiment (APEX), das auf der linken Bildseite des Panoramas zu sehen ist. Von diesem abgelegenen Ort der Welt auf 5000 Metern über dem Meeresspiegel studiert APEX das kalte Universum.

APEX ist ein Teleskop mit 12 Metern Durchmesser und beobachtet bei Millimeter- und Submillimeterwellenlängen. Astronomen, die mit APEX beobachten, können Phänomene sehen, die für kürzere Wellenlängen unsichtbar sind. Das Teleskop erlaubt ihnen die Untersuchung molekularer Wolken – dichten Regionen aus Gas und kosmischem Staub, in denen neue Sterne geboren werden – die im sichtbaren und infraroten Licht verborgen und von Staub verdeckt sind, aber bei diesen relativ langen Wellenlängen hell leuchten. Astronomen nutzen dieses Licht, um die chemischen und physikalischen Bedingungen in den Wolken zu studieren. Dieser Wellenlängenbereich ist auch ideal zur Untersuchung einiger der frühesten und entferntesten Galaxien im Universum geeignet.

Seit dem Betriebsbeginn im Jahr 2005 hat APEX viele wichtige wissenschaftliche Resultate produziert. Zum Beispiel arbeitete APEX mit dem Very Large Telescope der ESO zusammen, um Materie beim Sturz in das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße zu beobachten (eso0841), ein Erfolg, der unter den 10 bedeutendsten Entdeckungen der ESO zu finden ist.

Gruppen von weißem „Büßereis” stehen vor dem APEX-Teleskop. Büßereis ist ein seltsames Naturphänomen, das in hochgelegenen Regionen auftritt, typischerweise bei mehr als 4000 Metern über dem Meeresspiegel. Es handelt sich um dünne Platten aus verhärtetem Schnee oder Eis, die mit ihrer scharfen Kante in Richtung Sonne zeigen. Sie erreichen Höhen von einigen Zentimetern bis zu einigen Metern.

APEX ist eine Kooperation zwischen dem Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR), dem Onsala Space Observatory (OSO) und der ESO.

Die 12-Meter-Antennenschüssel von APEX basiert auf einem Prototypen für ein anderes Observatorium auf Chajnantor, dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA). ALMA wird nach seiner Fertigstellung im Jahr 2013 aus vierundfünfzig 12-Meter-Antennen und zwölf 7-Meter-Antennen bestehen. Die ESO ist der europäische Partner bei dieser internationalen Observatoriumsanlage, die eine Kooperation zwischen Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit Republik Chile ist.

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22. Oktober 2012

Der Bau von VISTA, dem weltweit größten Durchmusterungsteleskop

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Seit Dezember 2009 durchmustert das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) den südlichen Himmel vom Paranal-Observatorium der ESO in Chile aus. Unser Fotografienpaar zeigt diesen Monat das VISTA-Teleskop während des Baus und in den heutigen Tagen.

Das ältere Bild, aufgenommen in der zweiten Jahreshälfte von 2004, zeigt das Gebäude des Telskops im Bau. Das Skelett des Schutzbaus ist auf der kreisförmigen Basis sichtbar, umgeben von einem nur zwischenzeitlich montierten Gerüst. VISTA steht auf einem Gipfel ungefähr 1500 Meter nordöstlich vom Cerro Paranal, dem Standort vom Very Large Telescope der ESO. Der Gipfel wurde um fünf Meter auf 2518 Meter Höhe erniedrigt, um eine etwa 4000 Quadratmeter große Plattform für den Bau zu schaffen.

Das heutige Bild zeigt das vollständige VISTA-Teleskop. Der Teleskopschutzbau hat 20 Meter Durchmesser und schützt das Teleskop vor Wind und Wetter. Zwei Gleittore bilden den Spalt, durch den das Teleskop beobachtet. Der Windschutz kann bei Bedarf zum Schließen von Teilen des Spalts ausgefahren werden. Zusätzliche Öffnungen im Schutzbau ermöglichen eine Kontrolle der Belüftung während der Nacht. Der im Bild sichtbare Anbau beherbergt Instandhaltungsgeräte und eine Anlage, um die dünne reflektierende Silberbeschichtung des Teleskopspiegels zu erneuern.

VISTA arbeitet im Nahinfrarotbereich mit einer drei Tonnen schweren 67-Megapixel-Kamera. Sein großer Spiegel, das große Gesichtsfeld und die sehr empfindlichen Infrarotdetektoren machen es zum weltweit größten Durchmusterungsteleskop.

VISTA wurde durch ein Konsortium von 18 Universitäten iin Großbritannien, angeführt von der Queen Mary University of London konzipiert und entwickelt und ging als Sachleistung und als Teil der Beitrittsvereinbarung Großbritanniens an die ESO. Das Projektmanagement für die Teleskopauslegung und den Bau hielt das britische Astronomy Technology Centre (UK ATC) des Science and Technology Facilities Council (STFC) inne.

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15. Oktober 2012

Vom kosmischen Ersatzreifen zur himmlischen Blüte

IC 5148 ist ein wunderschöner planetarischer Nebel in etwa 3000 Lichtjahren Entfernung und liegt im Sternbild Grus (der Kranich). Der Nebel hat einen Durchmesser von einigen Lichtjahren und wächst mit über 50 Kilometern pro Sekunde – einer der am schnellsten expandierenden planetarischen Nebel. Der Begriff „planetarischer Nebel“ entstand im 19. Jahrhundert nach den ersten Beobachtungen dieser Objekte durch die damals verfügbaren kleinen Teleskope – sie sahen aus wie die großen Gasplaneten. Die wahre Natur der planetarischen Nebel ist allerdings völlig anders. 

Wenn ein Stern mit einer Masse ähnlich oder mehr als der Masse der Sonne sein Lebensende erreicht, werden seine äußeren Schichten in den Raum geworfen. Das expandierende Gas wird vom heißen, zurückbleibenden Kern des Sterns im Zentrum beleuchtet und formt den planetarischen Nebel, der oft eine wunderschön leuchtende Struktur besitzt.

Bei Beobachtung mit einem kleinen Amateurteleskop zeigt dieser spezielle planetarische Nebel einen Ring aus Materie mit dem leuchtenden Stern, der abkühlt und so zu einem Weißen Zwerg wird, in der Mitte des zentralen Lochs. Dieses Aussehen brachte Astronomen auf den Spitznamen „Der Ersatzreifen“.

Die ESO Faint Object Spectrograph and Camera (EFOSC2) am New Technology Telescope auf La Silla zeigt, wie elegant dieses Objekt eigentlich ist. Statt wie ein Ersatzreifen sieht der Nebel ähnlich wie eine himmlische Blume mit verschachtelten Blütenblättern aus.


8. Oktober 2012

Eine besondere Aussicht vor Sonnenuntergang

Das Paranal-Observatorium der ESO –gelegen in der chilenischen Atacama-Region – ist den meisten durch das Very Large Telescope (VLT) bekannt, das Flaggschiff der ESO unter den Teleskopanlagen. Außerdem ist die Anlage während der letzten Jahre noch zusätzlich die Heimat zweier hochmoderner Durchmusterungsteleskope geworden. Diese beiden Mitglieder der Paranalfamilie wurden entwickelt, um schnell und tief große Bereiche des Himmels abzubilden.

Eines von Ihnen, das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) mit 4,1 Metern Durchmesser, ist nicht weit entfernt vom Paranal auf einem Nachbargipfel untergebracht. Es ist in dieser wunderschönen Aufnahme des ESO-Fotobotschafters Babak Tafreshi abgebildet. VISTA ist das weltweit größte Durchmusterungsteleskop und ist seit Dezember 2009 in Betrieb.

In der rechten unteren Ecke des Bildes ist der Schutzbau von VISTA vor einer scheinbar endlosen Bergkette abgebildet, die sich bis zum Horizont erstreckt. Bei einsetzendem Sonnenuntergang erzeugen die Berge längere Schatten, die langsam die herrlichen Brauntöne der Landschaft rund um den Paranal bedecken. Bald wird die Sonne unter dem Horizont verschwinden und alle Teleskope auf dem Paranal werden mit den nächtlichen Beobachtungen beginnen.

VISTA ist ein Teleskop mit großem Gesichtsfeld, entwickelt um den Südhimmel im Infrarotbereich mit hoher Empfindlichkeit abzubilden und den Astronomen die Entdeckung schwacher Objekte zu ermöglichen. Das Ziel dieser Durchmusterungen ist die Erzeugung großer Kataloge von Himmelsobjekten für statistische Untersuchungen und die Identifikation von neuen Zielen, die im Detail durch das VLT beobachtet werden können.

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1. Oktober 2012

Der Vulkankegel Licancabur wacht über Chajnantor

Diese eindrucksvolle Panoramaaufnahme zeigt das Chajnantor-Plateau, die Heimat des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA), mit dem majestätischen Vulkan Licancabur im Hintergrund. Unter den wachsamen Augen des Licancabur sammelt sich ein Wald aus Büßereis (auf Spanisch „penitentes”) im Vordergrund. Büßereis ist ein besonderes Naturphänomen, das nur in hochgelegenen Gebieten auftritt. Es handelt sich dabei um dünne Zacken aus gehärtetem Schnee oder Eis mit scharfen Kanten, die zur Sonne zeigen und Höhen von wenigen Zentimetern bis hin zu mehreren Metern erreichen. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Beschreibung eines früheren Bildes der Woche (potw1221).

Der Vulkan Licancabur erreicht eine Höhe von 5920 Metern und ist der bekannteste seiner Art in der Umgebung von San Pedro de Atacama in Chile. Seine konische Form ist fast unverwechselbar, so dass er auch aus der Ferne erkannt werden kann. Er befindet sich im südlichsten Teil der Grenze zwischen Chile und Bolivien. Der Gipfelkrater enthält einen der höchstgelegenen Seen der Welt. Biologen interessieren sich dafür, wie Mikroorganismen es schaffen in dieser rauhen Umgebung bei der dünnen Atmosphäre, niedrigen Temperaturen und trotz starker UV-Belastung zu überleben. Die Überlebensstrategien des mikroskopischen Lebens im See von Licancabur könnten uns Hinweise darauf liefern, wie es früher um die Wahrscheinlichkeit für Leben auf dem Mars bestellt war.

Dieses Foto wurde von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi in der Nähe der ALMA-Anlage aufgenommen.

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.


24. September 2012

Eine schwierige Arbeitsnacht steht bevor

Der Sonnenuntergang ist typischerweise ein Zeichen, dass der Arbeitstag vorbei ist. Die Stadtbeleuchtung wird langsam eingeschaltet, wenn die Menschen nach Hause kommen um ihren Feierabend und eine gute Nacht zu genießen. Das gilt nicht für Astronomen, die an einer Sternwarte wie dem Paranal-Observatorium der ESO in Chile arbeiten. Die Beobachtungen beginnen, sobald die Sonne unter dem Horizont verschwunden ist. Alles muß vor der Dunkelheit vorbereitet sein.

Dieses Panoramafoto zeigt das Very Large Telescope (VLT) der ESO vor dem wunderschönen Dämmerungslicht auf dem Cerro Paranal. Im Bild fallen die geöffneten Schutzbauten des VLT und die darin enthaltenen Teleskope auf, die für eine Nacht zum Studium des Universums vorbereitet werden. Das VLT ist das weltweit leistungsstärkste optische Teleskop, bestehend aus vier Hauptteleskopen mit Primärspiegeldurchmessern von 8,2 Metern und vier beweglichen Hilfsteleskopen mit Hauptspiegeln von 1,8 Meter Durchmesser, die in der linken Bildecke sichtbar sind.

Die Teleskope können zu einem einzigen riesigen Teleskop zusammengeschaltet werden, dem Very Large Telescope Interferometer (VLTI), das Astronomen die Beobachtung feinster Details erlaubt. Diese Konfiguration wird nur zu einer begrenzten Anzahl von Nächten benutzt. Die meiste Zeit arbeiten die vier 8,2-Meter -Hauptteleskope einzeln.

Über die letzten 13 Jahre hat das VLT der beobachtenden Astronomie einen riesigen Fortschritt verschafft. Mit der Einführung des VLT hat die europäische Gemeinschaft ein neues Zeitalter von Entdeckungen eingeläutet, zum Beispiel die Bewegung der Sterne, die das zentrale Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße umkreisen oder das erste Bild eines extrasolaren Planeten, die zwei aus den drei wichtigsten Entdeckungen aus den Top 10 der astronomischen Entdeckungen der ESO sind.

Die vier Hauptteleskope sind nach himmlischen Objekten der Mapuche in der alten, einheimischen Sprache der Ureinwohner Chiles und Argentiniens benannt. Von links nach rechts sehen wir Antu (UT1, die Sonne), Kueyen (UT2, der Mond), Melipal (UT3, das Kreuz des Südens) und Yepun (UT4, die Venus).

Dieses Foto wurde von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi aufgenommen.


17. September 2012

ALMA und eine sternklare Nacht— ein unvergesslicher Anblick

Ein kristallklarer Himmel ist immer schön anzusehen. Aber auf dem Chajnantor-Plateau auf 5000 Metern Höhe in den chilenischen Anden – einem der besten Beobachtungsorte der Welt für astronomische Beobachtungen – kann er zu einer Erfahrung werden, an den Sie sich ihr ganzes Leben erinnern werden.

Dieses Panoramabild zeigt die Antennenschüsseln des Atacama Large Millimeter/submillimeter Arrays (ALMA) vor einem atemberaubend sternklaren Nachthimmel.

Im Vordergrund sieht man einige von ALMAs Antennen, wie sie zusammenarbeiten. Das Plateau erscheint verzerrt, ein Effekt der verwendeten Weitwinkeloptik. ALMA ist das weltweit leistungsstärkste Teleskop zur Beobachtung vom Submillimeter- und Millimeterwellenlängen. Der Aufbau von ALMA wird im Jahr 2013 fertiggestellt sein, dann werden 66 Präzisionsantennen am Beobachtungsstandort stehen. Momentan werden mit dem Teleskop erste wissenschaftliche Beobachtungen durchgeführt. Obwohl es noch nicht vollständig aufgebaut ist, produziert das Teleskop bereits jetzt herausragende Resultate, die die anderer Submillimeter-Anlagen übertreffen.

Über den Antennen scheinen unzählige Sterne wie entfernte Diamanten zu glitzern. Zwei weitere bekannte Himmelsobjekte sind sichtbar: Zum Einen wird das Bild vom Mond gekrönt. Vom Mond überstrahlt, kann man die Milchstraße als dunstigen Lichtstreifen am Himmel erkennen. Dunkle Regionen innerhalb des Lichtbands sind Bereiche, in denen das Licht von Hintergrundsternen durch interstellaren Staub verdeckt wird.

Dieses Foto wurde von ESO-Fotobotschafter Babak Tafreshi aufgenommen. Tafreshi ist Initiator des Projekts The World at Night, einem Programm zur Gestaltung und Ausstellung atemberaubender Fotografien und Zeitrafferaufnahmen der weltweit schönsten und historischen Stätten vor nächtlicher Kulisse von Sternen, Planeten und Himmelsereignissen.  

ALMA ist eine internationale Einrichtung, die gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für Ostasien und das National Radio Astronomy Observatory für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory übernimmt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

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10. September 2012

Ein zeitloses Asyl – Das ESO-Gästehaus damals und heute

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Diesen Monat zeigen wir Ihnen einen Teil der ESO, der nahezu zeitlos erscheint. Was könnte nach einem langen Interkontinentalflug nach Santiago de Chile oder einer Nachtschicht mit Beobachtungen an den Teleskopen besser sein als ein komfortabler Stützpunkt zur Entspannung und Erholung für den nächsten Teil der Reise? Seit den frühesten Jahren der Organisation hat das ESO-Gästehaus in Santiago den Besuchern der Observatorien in Chile genau das ermöglicht. Unsere „Damals und Heute“-Aufnahmen zeigen diesen Monat die Gästehaus-Lounge im Jahr 1996 und in der heutigen Zeit.

Das Gästehaus ist eine große Villa in einem ruhigen Teil der chilenischen Hauptstadt. Es ist unter ESO-Mitarbeitern und Gastwissenschaftlern auf der langen Reise zwischen Europa und den abgelegenen Observatoriumsanlagen als gastfreundlicher Ort zum Verweilen bekannt. Fast alle europäischen Astronomen, die La Silla, den Paranal oder Chajnantor besuchen, nutzen dieses Gästehaus als Durchgangsstation. Hier kann man sich von der Reise erholen, mit anderen Astronomen plaudern, sich auf seine Beobachtungen vorbereiten und – für Neuzugänge – vielleicht den ersten Blick auf den südlichen Nachthimmel zu werfen.

Anfang des Jahres 1964 wurde mit den zunehmenden ESO-Aktivitäten in Santiago beschlossen eine Reiseunterkunft in der Stadt zu bauen, so dass die ESO unabhängig vom dortigen Hotelangebot ist. Der Erwerb des Gästehauses wurde im März 1965 abgeschlossen und zunächst wurde es als Verwaltungsgebäude und Besucherunterkunft verwendet. In den frühen 1970ern wurden die offiziellen ESO-Büros in ein neues Gebäude in den Stadtteil Vitacura verlegt, ein paar Kilometer entfernt. Das Gästehaus konnte jetzt exklusiv für den Komfort und die Bequemlichkeit reisemüder Astronomen und anderer Mitarbeiter genutzt werden.

Wie auf den beiden Bildern zu sehen ist, hat sich das Gästehaus über die Jahre nicht stark verändert. Zwar ist mittlerweile WLAN verfügbar und eine moderne Kaffeemaschine steht bereit, aber das Gästehaus ist dennoch ein entspannender und friedlicher Zufluchtsort geblieben. Der perfekte Ort zur Vorbereitung auf strapaziöse, aber spannende Beobachtungsnächte und vielleicht auch auf die nächste große Entdeckung.

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3. September 2012

Eine überraschende Superblase

Diese farbenprächtige neue Ansicht zeigt die Sternentstehungsregion LHA 120-N44 [1] in der Großen Magellanschen Wolke, einer kleinen Begleitgalaxie der Milchstraße. Das Bild kombiniert Aufnahmen in sichtbaren Licht vom MPG/ESO 2.2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile mit Infrarot- und Röntgendaten von Satelliten-Observatorien.

Im Zentrum dieser sehr gas- und staubreichen Region voller junger Sterne liegt der Sternhaufen NGC 1929. Die massereichen Sterne dort produzieren intensive Strahlung und stoßen Materie bei hoher Geschwindigkeit als Sternwinde aus. Sie spurten durch ihr kurzes aber strahlend helles Leben bis zur Explosion als Supernova. Die Sternwinde und Supernova-Schockwellen haben eine riesige Aushöhlung im umgebenden Gas geformt, die man als Superblase bezeichnet.

Beobachtungen mit dem Röntgenobservatorium Chandra der NASA (hier in blau gezeigt) enthüllen heiße Regionen, die durch die Sternwinde und Schockwellen entstehen, während Infrarodaten des Spitzer Space Telescopes (gezeigt in rot) deutlich machen, wo sich Staub und kühleres Gas befinden. Das (in gelb gezeigte) sichtbare Licht vom MPG/ESO 2.2-Meter-Teleskop zeigt heiße, junge Sterne sowie das sie umgebende leuchtenden Gas und den dunklen Staub.

Die Kombination dieser unterschiedlichen Datensätze erlaubt Astronomen das Lösen eines Rätsels: Warum erzeugen N44 und vergleichbare Superblasen so starke Röntgenstrahlung? Die Antwort scheint zu sein, dass zwei zusätzliche Quellen starker Röntgenstrahlung existieren. Supernova-Schockwellen, die die Wände der Aushöhlung bestrahlen, und heißes Material, das von den Wänden verdampft. Die Röntgenemission von Rand der Superblasen kann man deutlich im Bild erkennen.

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Endnote

[1] Die Bezeichnung bedeutet, dass dieses Objekt in einem Katalog von Sternen und Nebeln mit H-Alpha-Emmision in der Magellanschen Wolke enthalten ist, der im Jahr 1956 durch den amerikanischen Astronomen und Astronauten Karl Henize (1926-1993) zusammengestellt und veröffentlicht wurde. Der Buchstabe „N“ besagt dabei, dass es sich um einen Nebel handelt. Das Objekt wird häufig einfach N44 bezeichnet.


27. August 2012

Die Nacht senkt sich über den Paranal

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Gipfel des Cerro Paranal beobachtet. Wenn die Atacama-Wüste ruhig in der Nacht versinkt, öffnen sich die leistungsstarken Augen vom Very Large Telescope der ESO. Mit diesem spektakulären 360°-Panorama können Sie sich den Anblick vorstellen, den Sie nahe am südlichen Rand der VLT-Plattform haben würden.

Im Vordergrund öffnet sich das vierte VLT-Hilfsteleskop (AT4). Zur Linken ist die Sonne gerade über dem Pazifischen Ozean untergegangen – wie üblich hinter Wolken unterhalb der Höhe des Paranals. Über dem Rest der Plattform sind die weiteren drei Hilfsteleskope vor den Schutzbauten der vier 8.2-Meter Hauptteleskope sichtbar. Die Residencia und andere Bauten des Basislagers sind in geringer Entfernung nahe des rechten Bildrands zu erkennen.

Wenn die Nacht beginnt, taucht man in tiefe Stille ein, selten unterbrochen durch den Wind oder die gleichmäßige Bewegung dieser riesigen Maschinen. Es ist schwer zu glauben, dass im VLT-Kontrollgebäude hohe Aktivität herrscht. Das Gebäude liegt am Berghang knapp unterhalb der Plattform in Richtung des Sonnenuntergangs. Dort beginnen Astronomen und Techniker die ersten Beobachtungen der Nacht.

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20. August 2012

Ein Laserleitstern streift das Firmament

Dieses atemberaubende Foto von Julien Girard zeigt einen hellen Laserstrahl, der zum Very Large Telescope (VLT) der ESO gehört, vor dem Nachthimmel über der chilenischen Atacama-Wüste. Weil der Laser während der 30-minütigen Belichtungszeit zum Ausgleich der Erddrehung bewegt wurde, erscheint der Strahl aufgefächert. Die Kamera, die das Bild aufgenommen hat, stand dagegen still, so dass die Sterne als Strichspuren abgebildet wurden, die besonders deutlich die unterschiedlichen Farben der Sterne zeigen.

Der Laser wird verwendet, um Natriumatome in 90 Kilometern Höhe zum Leuchten anzuregen und so in der Hochatmosphäre einen hellen Lichtpunkt – einen künstlichen Stern – zu erzeugen. Dieser sogenannte Laserleitstern wird dann als Referenz verwendet, um die Bildverschlechterungen durch die Einflüsse der Atmosphäre zu korrigieren. Dazu wird die Technik der sogenannten adaptiven Optik verwendet. Zwar können auch ausreichend helle echte Sterne als Referenz genommen werden, aber der Laserleitstern kann an jede gewünschte Stelle positioniert werden. Mit seiner Hilfe kann die adaptive Optik in viel mehr Himmelsbereichen eingesetzt werden.

Die vier großen Schutzbauten der 8,2-Meter-Hauptteleskope des VLT und dahinter das kleinere VLT Survey Telescope (VST) sind ebenfalls im Bild zu sehen. Julien arbeitet als Astronom für die ESO am VLT in Chile. In der Nacht, in der das hier gezeigte Foto aufgenommen wurde, unterstützte er Beobachtungen an dem VLT-Hauptteleskop auf der rechten Seite. Er nutzte die Gelegenheit, um seine Kamera aufzubauen, bevor er in den Kontrollraum zurückging und die VLT-Beobachtungen durchzuführen.

Die Bewegungen der Schutzbauten während der langen Belichtungszeit führen zu einem verwaschenen Eindruck. Ebenso sind schwache Lichtspuren zu erkennen, die von Personen stammen, die sich während der Belichtungszeit auf der Plattform zwischen den Teleskopen hin und her bewegt haben.

Julien hat dieses Foto in der „Your ESO Pictures“-Flickrgruppe veröffentlicht. Die besten Fotos aus dieser Gruppe werden regelmäßig für das Bild der Woche oder für unsere Bildergalerie ausgewählt. Als Teil des 50-jährigen Jubiläums der ESO freuen wir uns im Jahr 2012 besonders über historische Bilder mit Bezug zur ESO.

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