Sehr alte Sterne

Wie alt ist unser Kosmos?

Mit dem VLT gelang eine einzigartige Messung, die den Weg für eine unabhängige Bestimmung des Alters des Universums geebnet hat. Dazu maßen Astronomen erstmals die Menge des radioaktiven Isotops Uran-238 in einem Stern, der geboren wurde, als unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße noch im Entstehen begriffen war (eso0106).

Ähnlich wie die Radiokarbonmethode in der Archäologie, jedoch anwendbar auf viel längere Zeiträume, misst diese "Uranuhr" das Alter des Sterns. Sie zeigt, dass der älteste der beobachteten Sterne 13,2 Milliarden Jahre alt ist. Da er nicht älter sein kann als das Universum selbst, gewinnt man so einen Mindestwert für das Alter des Kosmos – in guter Übereinstimmung mit dem Wert, den wir von der Kosmologie her kennen, wo das Alter des Universums zu 13,7 Milliarden Jahren bestimmt wird. Der Stern, ebenso wie unsere Galaxie, müssen sich demnach vergleichsweise kurz nach dem Urknall gebildet haben.

Eine andere Messung, die auf Beobachtungsmethoden hart an der Grenze des technisch Machbaren beruht, beleuchtet die früheste Entwicklungsstufe unserer Milchstraße. Astronomen haben – zum ersten Mal überhaupt – den Berylliumgehalt zweier Sterne in einem Kugelsternhaufen gemessen. Er erlaubt Rückschlüsse auf die Zeit zwischen der Entstehung allerersten Sterne in der Milchstraße und den Sternen dieses Kugelsternhaufens. Wie sich zeigt, muss sich die erste Sterngeneration in der Milchstraße kurz nach dem Ende des etwa 200 Millionen Jahre dauernden "dunklen Zeitalters" gebildet haben, das auf die Urknallphase folgte (eso0425).

"Die Spektren, die für diesen vergleichsweise schwachen Stern aufgenommen werden konnten, sind superb – so gute Spektren ließen sich bis vor kurzem nur für Sterne gewinnen, die mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Obwohl sie nur sehr schwach ist, kann die Uran-Linie daher mit großer Genauigkeit vermessen werden."

Roger Cayrel, Paris Observatory
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The Globular Cluster 47 Tuc