Drei völlig verschiedene Teleskope auf La Silla

Construction of the ESO 3.6-metre telescope
La Silla

Die ESO wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, und um dieses wichtige Jubiläum zu feiern, werfen wir einen Blick in unsere Vergangenheit. Während des gesamten Jahres wird einmal pro Monat ein spezielles „Damals und Heute“-Bild der Woche illustrieren, wie sich die Dinge auf La Silla, am Paranal-Observatorium, in den ESO-Büros in Santiago de Chile und am Hauptsitz der ESO in Garching bei München über die Jahrzehnte verändert haben.

Diese zwei Aufnahmen wurden auf dem höchsten Punkt von La Silla aufgenommen, einem Berg mit einer Höhe von 2400 Metern am Rande der chilenischen Atacama-Wüste. La Silla war die erste Observatoriumsanlage der ESO. Das historische Foto aus dem Jahr 1975 zeigt einige Lastwagen und andere Ausrüstungsgegenstände, die zum Bau der Kuppel des 3,6-Meter-Teleskopes der ESO benötigt wurden, das hinter dem Fotografen am Entstehen ist. Auf der linken Seite liegen die Wassertanks für die Anlage.

Auf der heutigen Aufnahme sind drei neue Teleskope hinzugekommen, die alle sehr unterschiedlich aussehen. Rechts von den Wassertanks steht das New Technology Telescope (NTT), das am 23. März 1989 sein „First Light“ hatte. Dieses 3,58-Meter-Instrument hatte als erstes Teleskop einen computergesteuerten Hauptspiegel, der zur Optimierung der Bildqualität verformt werden konnte. Sein achteckiger Schutzbau stellt einen weiteren technologischen Durchbruch dar: Die Belüftung wird durch ein System von Klappen geregelt, wodurch die durchströmende Luft gleichmäßig über den Spiegel streicht und damit Turbulenzen vermieden werden, was wiederum zu schärferen Bildern führt.

Rechts vom NTT steht das schweizerische 1,2-Meter-Leonhard-Euler-Teleskop, das einen traditionelleren Schutzbau hat. Es wird vom Observatoire de Genève der Universität Genf in der Schweiz betrieben und sah sein erstes Licht am 12. April 1998. Es wird zur Suche von Exoplanten am südlichen Himmel genutzt, mit der Erstentdeckung eines Planeten um den Stern Gliese 86 (siehe auch eso9855). Mit dem Teleskop werden auch veränderliche Sterne, Gammastrahlenausbrüche und Aktive Galaktische Kerne untersucht.

Im Vordergrund auf der rechten Seite steht ein Gebäude mit dem Spitznamen „der Sarkophag“. Es beherbergt TAROT (Télescope à Action Rapide pour les Objects Transitoires, ein Teleskop mit schneller Reaktionszeit für kurzlebige Objekte), das seine Arbeit auf La Silla am 15 September 2006 aufgenommen hat. Dieses schnell bewegliche, relativ kleine 25-Zentimeter-Teleskop reagiert extrem schnell auf Satellitenmeldungen von Gammmastrahlenausbrüchen, um die genauen Positionen dieser dramatischen aber flüchtigen Vorgänge zu erfassen. Die Beobachtung dieser kosmischen Explosionen ermöglicht den Astronomen die Erforschung der Bildung Schwarzer Löcher und der Entwicklung von Sternen im frühen Universum. TAROT wird durch ein Konsortium betrieben, das von Michel Boër am Observatoire de Haute Provence in Frankreich geleitet wird.

Das NTT wird von der ESO betrieben, während das Leonhard-Euler-Teleskop und TAROT zu den nationalen und Projekt-Teleskopen auf La Silla gehören. Selbst heute, über 40 Jahre nach seiner Einweihung, steht La Silla in der Astronomie nach wie vor ganz vorn.

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Herkunftsnachweis

ESO

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Über das Vergleichsbild

ID:potw1219a
Veröffentlichungsdatum:7. Mai 2012 10:00:00

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